Multimodal Network

In der letzten Vorlesung wurde uns die Studie „Casting the Net: A Multimodal Network Perspective on User-System Interaction“ von Gerald Kane und Maryam Alavi vorgestellt.  Die Motivation für die Forschung der Autoren ging von der Tatsache aus, dass die bisherige IS-Forschung die User-System Beziehung zwischen einem einzelnen, unabhängigen User und einem individuellen Informationssystem als isoliert angesehen haben. Die heutige Unternehmensrealität sieht allerdings anders aus.  Viele Nutzer interagieren mit mehreren Informationssystemen innerhalb einer Gruppe. Deshalb haben Kane und Alavi das Konzept der multimodalen Netzwerke eingeführt, in dem sowohl Informationssysteme als auch Nutzer gleichwertig als Knoten in einem Netzwerk fungieren. Untersucht wurde der Einfluss von Informationssystemen auf den Unternehmerischen Erfolg.  Das Ergebnis zeigte, dass die Zentralität von Informationssystemen innerhalb eines Netzwerks signifikanten Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg hat. Die aus der Studie abgeleiteten praktischen Implikationen sagen, dass nicht mehr eine Person, die sich besonders gut mit einem System auskennt geschult werden sollte, sondern eine Person die stark vernetzt ist.

Wahlkampf im Web 2.0

In der letzten Vorlesung wurde uns die Arbeit „Web 2.0 und Politics: The 2008 U.S. Presidential Election“ (Wattal et al. 2009) vorgestellt. Der Wahlkampf im Internet bzw. Web 2.0 ist billig und man verfügt über eine hohe Erreichbarkeit durch verschiedene Plattformen wie „Youtube“, Blogs oder Websites. Deshalb untersucht diese Studie die Unterschiede eines Wahlkampfs von heute mit dem von früher, hinsichtlich der Erreichbarkeit. Die Forschungsfrage lautet dabei:

Ermöglichen die neuen Kanäle (Blogs, soziale Netzwerke, Videoportale) den wenigen bekannten Kandidaten einen Wettbewerb auf Augenhöhe mit den bekannten Kandidaten?

Dafür wurden Daten von 15 Kandidaten der Präsidentschaftswahl zwischen 2007 und 2008 ausgewertet. Beachtet wurden Nennungen in TV, Radio, Zeitung, Blogs, Web-Artikeln, Youtube und Website Aufrufe und Freunde auf Myspace. Das Ergebnis zeigt, dass traditionelle Medien nicht so einflussreich sind wie Blogs. Allerdings macht man keine Unterscheidung, ob es positive oder negative Blogeinträge sind. Blogs waren in diesem Wahlkampf signifikant bei bekannten Kandidaten. Youtube war signifikant bei unbekannten Kandidaten und hatte zumeist die Funktion der Anregung für weitere Informationen.

Durch das Web 2.0 kann man also kostengünstig viele Menschen erreichen und verschiedene Zielgruppen, wie vor allem junge Wähler beeinflussen. Sind Zeitungen, Radio und TV überhaupt noch zeitgemäß im modernen Wahlkampf? Was meint ihr?

Vorlesung vom 11.12.13

In der Vorlesung vom 11.12.13 wurden uns gleich zwei Arbeiten vorgestellt:

  • Preferential Linkage and Network Evolution: A Conceptual Model and Empirical Test In The U.S. Video Game Sector (Venkatraman/Lee, 2004)
  • Network Evolution: The Origins of Structural Holes (Zaheer/Soda, 2009)

In der von mir erstgenannten Arbeit wurde von den Autoren untersucht welchen Einfluss bestimmte Kriterien, wie z.B. die Netzwerkstruktur, auf Videospielentwickler haben, um ein neues Spiel auf einer bestimmten Plattform herauszubringen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Videospielentwickler sich wahrscheinlich nicht an eine Plattform binden, wenn die Plattform eine hohe Eingebettetheit und hohe Netzüberlappungsdichte aufweist. Jedoch binden sie sich wahrscheinlich an eine Plattform, wenn die Plattform neuartig ist oder eine dominante Marktposition hat.

In der Arbeit von Zaheer/Soda wurde der Ursprung von Netzwerkstrukturen, speziell von Structural Holes untersucht und wie sich diese auf die Teamperformance auswirken. Dazu wurden die Daten von mehreren Produktionsteams der italienischen TV-Produktionsindustrie ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass Teams weniger Structural Holes besitzen, wenn ihre Mitglieder bereits vorher ein Teil von stark zusammenhängenden Teams waren und wenn die vorherigen Teams ähnlichen künstlerischen Inhalt produziert haben.

Social Bookmarks

Der Schwerpunkt der letzten Vorlesung war die Arbeit „Innovation Impacts of Using Social Bookmarks“ von Peter H. Gray. Der Autor befasst sich in dieser Studie mit der Frage, wie die persönliche Innovationskraft eines Mitarbeiters mit dem Zugriff auf die Social Bookmarks von anderen Mitarbeitern des Unternehmens zusammenhängen.

Mit Social Bookmarks bezeichnet man das gemeinschaftliche Indexieren von Internet-Quellen. Durch das Anlegen von Internet-Lesezeichen auf einem gemeinsamen Server wird der Zugriff auf diese Informationsquellen für ein ganzes Netzwerk möglich (http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Bookmarks). Die Studie wurde in der Consulting Branche durchgeführt. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass sich die Anzahl an Personen und Zugriffen nicht signifikant auf die individuelle Innovationskraft ausgewirkt haben. Allerdings hat sich die Hypothese 3 (Effective Size: Das Level der persönlichen Innovationskraft steigt mit dem Ausmaß der Zugriffe auf Bookmarks von nicht miteinander verbundenen Personen) und die Hypothese 4 (Effective Reach: Das Level der persönlichen Innovationskraft steigt mit dem Ausmaß des indirekten Zugangs auf viele nichtredundante Bookmarks) als signifikant herausgestellt.

Ich persönlich finde Bookmarking eine nette Idee, um mit anderen Nutzern zu interagieren und Lesezeichen zu teilen. Dadurch bekomme ich Informationen, die mir für meine tägliche Arbeit von Nutzen sein können und durchaus zu neuen Ideen führen können.

Welche weiteren Vorteile könnten Social Bookmarks mit sich bringen?

Offen? Geschlossen? Was denn nun?

Das Thema der letzten Vorlesung war die Arbeit „Collaboration Networks, Structural Holes, and Innovation: A Longitudinal Study“, von Gautam Ahuja. In dieser Studie untersucht der Autor den Einfluss von Indirect Ties, Direct Ties und Structural Holes auf den Innovationsoutput in einem Kollaborationsnetzwerk zwischen Chemieunternehmen. Die Motivation hierfür ging aus offenen Fragestellungen in der Literatur hervor:

  • Sind viele indirect Ties vorteilhaft?
  • Ist eine geschlossene oder eine offene Netzwerkstruktur vorteilhaft?

Ich möchte mich in meinem heutigen Beitrag auf die Ergebnisse der Ausgangsfrage, ob eine geschlossene oder offene Netzwerkstruktur optimal ist, beschränken.

Zur Beantwortung der Fragestellung muss man auf den Kontext achten. In der Untersuchung von Ahuja ist der Kontext ein Kollaborationsnetzwerk zwischen Unternehmen. D.h. hier ist es sehr wichtig, dass gemeinsame Kollaborationsroutinen entwickelt werden und das Vertrauen zwischen den Partnern sehr gut ist und somit auch der Opportunismus reduziert wird. Dies wird nur gewährleistet wenn möglichst wenig strukturelle Löcher (Structural Holes) im Netzwerk enthalten sind. Diese Vorteile, die durch die Präsenz einer geschlossenen Netzwerkstruktur einhergehen, überwiegen in diesem Fall auch den Vorteil der Informationsvielfalt, der mit der Präsenz vieler struktureller Löcher korreliert. Es gibt auch andere Studien mit anderen Kontexten in denen offene Strukturen  mit vielen strukturellen Löchern von Vorteil sind. Z.B. wenn das Kerngeschäft die Vermittlung von Informationen und Technologien ist, wie es beim Consulting der Fall ist. Die optimale Netzwerkstruktur ist also abhängig davon, welches Verhalten durch die Struktur unterschützt werden soll. Eine universelle Lösung gibt es nicht. Gibt es weitere Branchen in der geschlossene Strukturen optimal sind?

Wissenstransfer zwischen Organisationseinheiten

In der letzten Vorlesung wurde uns die Studie von Morten T. Hansen vorgestellt, der in seiner Arbeit „The Search-Transfer Problem: The Role of Weak Ties in Sharing Knowledge across Organization Subunits“, die Effekte von Weak Ties und Strong Ties auf den Wissenstransfer zwischen Organisationseinheiten untersucht hat.

Der Wissenstransfer zwischen Abteilungen in einem Unternehmen ist ein wichtiger Bestandteil für die erfolgreiche Bearbeitung gemeinsamer Projekte und Aufgaben. Sowohl kodifiziertes, also niedergeschriebenes bzw. dokumentiertes, Wissen als auch Wissen der Mitarbeiter, das aus langjähriger Erfahrung entstanden ist und nicht dokumentiert vorliegt, ist für den Wissenstransfer bedeutend. Während kodifiziertes Wissen relativ einfach weitergeben werden kann, ist es bei Erfahrungswerten oder bei sehr komplexem Wissen schwieriger. Hier stellt sich die Frage ob sich Weak Ties oder Strong Ties besser dazu eignen, ein solches Wissen weiterzugeben. Mortens Ergebnis ist, dass weder schwache noch starke Beziehungen zu einer effizienten Informationsteilung führen. Schwache und starke Beziehungen haben beide ihre Vor- und Nachteile.

Ich denke es ist wichtig für den Wissenstransfer viele schwache Beziehungen zu haben. Das wird am besten erreicht indem man sehr offen ist, viele Hände schüttelt und auch mal am Kaffeeautomaten plaudert. Das führt dazu, dass die Hemmschwelle sinkt sein Wissen weiterzugeben oder mal eine Frage zu beantworten. Denkt ihr auch, dass schwache Beziehungen wichtiger sind?  

Weak Ties als Daily News

Die in den siebziger Jahren veröffentlichte Arbeit „The Strength of Weak Ties“ von Mark Granovetter, war die Grundlage für die Diskussion in der letzten Vorlesung. Granovetter stuft eine zwischenmenschliche Beziehung als stark, schwach oder abwesend ein. Eine schwache Beziehung  (weak tie) ist dabei von einem geringem Zeitaufwand, geringer emotionaler Intensität, geringer Intimität oder geringer Reziprozität geprägt. Diese Weak Ties sind nach Granovetter sehr wichtig. Über diese schwachen Verbindungen gelangen Informationen in andere Gruppen und werden auch schneller verbreitet als wenn sie nur über starke Verbindungen verbreitet würden.

In der heutigen Zeit mit Facebook und anderen sozialen Medien sind Weak Ties allgegenwärtig. Man kennt wesentlich mehr Leute als früher, aber nur wenige davon zählt man zu seinen wirklichen Freunden. Kontakte in den Freundeslisten sind dann häufig nur Brücken zu anderen Cliquen, über die man so Informationen erhält. Eine Studie von Facebook belegt diese Aussage (vgl. https://www.facebook.com/notes/facebook-data-team/rethinking-information-diversity-in-networks/10150503499618859). Weak Ties haben das größte Potential Informationen zu liefern, die man anders erst gar nicht bekommen würde. Das liegt daran, dass Personen mit denen man schwache Beziehungen pflegt, meistens auch andere Interessengebiete haben. So dienen sie uns in unserem News Feed als täglicher Nachrichtendienst.

Six Degrees of Kevin Bacon

Das Spiel „Six Degrees of Kevin Bacon“ stellte in den neunziger Jahren einen beliebten Zeitvertreib vor allem für Studenten dar. In diesem Spiel wird versucht eine Verbindung zwischen dem Schauspieler Kevin Bacon und irgendeinem anderen Schauspieler über so wenig Filme oder Schauspielkollegen wie möglich herzustellen. Eine Verbindung kann dabei direkt zwischen Bacon und einem anderen Schauspieler, der am selben Film gearbeitet hat, hergestellt werden oder indirekt durch eine Kette von Schauspielkollegen in verschiedenen Filmen.

Das Spiel basiert auf dem Small-World-Phänomen und funktioniert überraschend gut. Nur wenige Links werden benötigt, um eine Verbindung zwischen Bacon und einem anderen Schauspieler im Hollywood-Netzwerk mit Millionen von Filmen und Schauspielern zu bilden. Kevin Bacon spielt natürlich keine spezielle Rolle in diesem Netzwerk. Das Ganze funktioniert mit zwei beliebigen Schauspielern, unabhängig ihres Bekanntheitsgrades. Im Durchschnitt werden drei bis vier Schritte benötigt, um die Schauspieler miteinander zu verlinken. „Six Degrees of Kevin Bacon“ kann online selbst ausprobiert werden (http://www.oracleofbacon.org/). Als Beispiel seht ihr hier die Verbindung zwischen Kevin Bacon und dem deutschen Schauspieler Til Schweiger:

image

Findet ihr eine Verkettung mit 7-10 Schauspielern?

Quellen: 

http://www.math.duke.edu/~rtd/math777/ws_nv.pdf

http://www.oracleofbacon.org/

Face-to-Face-Kommunikation in Szenarien global verteilter Zusammenarbeit

In der letzten Vorlesung wurde über Face-to-Face-Kommunikation im beruflichen Kontext diskutiert. Ich möchte mit diesem Beitrag auf die Bedeutung von Face-to-Face-Kommunikation speziell in Szenarien global verteilter Zusammenarbeit eingehen. Diese Szenarien zeichnen sich dadurch aus, dass zwei oder mehrere Teams von unterschiedlichen geografischen Standorten aus an verschiedenen Projektzielen zusammenarbeiten. Durch die geografische Streuung ist die Zusammenarbeit häufig kulturellen, sprachlichen und zeitlichen Barrieren ausgesetzt (Kotlarsky/Oshri 2005).

Der Erfolg solcher IT-Projekte ist deshalb sehr von der Teamperformance abhängig. Diese wird stark von den sozialen Bindungen unter den Teammitgliedern beeinflusst. Deswegen ist der persönliche Kontakt in Form von Face-to-Face-Meetings besonders wichtig. Allerdings wird in verteilter, kollaborativer Zusammenarbeit fast ausschließlich über leistungsfähige Informations- und Kommunikationstechnologien kommuniziert. Dadurch wird der Aufbau von sozialen Bindungen nur schwer realisierbar. So kann es an Vertrauen, Gemeinschaftsgefühl oder gegenseitigem Verständnis mangeln, was sich negativ auf die Kommunikation und die Teamperformance auswirkt. Deshalb spielt der persönliche Kontakt in Form von Face-to-Face-Meetings beim Vertrauensaufbau zwischen Mitarbeitern eine wichtige Rolle. Es dient in Szenarien verteilter Zusammenarbeit als Managementinstrument, um die Kollaboration und die Teamleistung zu verbessern. Andererseits dienen die Meetings auch dem Aufbau sozialer Beziehungen und der Vermittlung von Normen, Werten und Verhaltensweisen (Oshri et al. 2007).

Kotlarsky, J. und Oshri, I. (2005): „Social ties, knowledge sharing and successful collaboration in globally distributed system development projects“, European Journal of Information Systems (14:1), S. 37-48.

Oshri, I., Kotlarsky, J. und Willcocks, L. (2007): „Global software development: Exploring socialization and face-to-face meetings in distributed strategic projects”, Journal of Strategic Information Systems (16:1), S.25-49.